ARD-Sonntagskrimi: Der Wien-»Tatort« im Schnellcheck - DER SPIEGEL
Der Mörder hat seine tote Frau zärtlich auf die Couch gebettet. Und aus dem Knast quatscht Lude Inkasso-Heinzi in den Fall rein. Der Austro-»Tatort«, sarkastisch und sentimental, wie er sein soll.
Das Wiener Ermittlungsteam am Tatort: Totenruhe? Träum weiter!
Foto: Pedro Domenig / ARD Degeto / ORF / KGP
Das Szenario:
Inkasso-Heinzi is back. Der sympathische Zuhälter (Simon Schwarz), der stets böse tut und Gutes schafft und bereits in sechs Wiener »Tatorten« zu sehen war, versorgt das Ermittlungsduo Eisner (Harald Krassnitzer) und Fellner (Adele Neuhauser) aus dem Gefängnis heraus mit Fakten und Theorien zu einem höchst vertrackten Doppel- oder eventuell sogar Dreifachmord: Ein eifersüchtiger Beamter erstach seine Frau und deren Freundin. Dann erwirkte ein Staranwalt einen Freispruch für den Mann, der im Gefängnis doch eigentlich Sühne tun wollte. Wenig später wurde dann auch noch der Jurist tot aufgefunden – hat der straffrei ausgegangene Frauenmörder seinen eigenen Verteidiger auf dem Gewissen? Inkasso-Heinzi weiß Rat.
Der Clou:
Dieser »Tatort« ist, wie so oft, wenn er Wien kommt, großes Leichen-Theater. Mit den sterblichen Überresten der Opfer werden hier die abstrusesten Dinge angestellt. Totenruhe? Träum weiter!
Johannes Zeiler (sitzend) als Eifersuchtsmörder: Rendezvous mit einer Leiche
Foto: Pedro Domenig / ARD Degeto / ORF / KGP
Das Bild:
Rendezvous mit einer Toten. Nachdem der Mann wie im Wahn auf seine Frau eingestochen hat und das Wohnzimmer mit den roten Spritzern aussieht, als ob Jackson Pollock eine Kunstsession abgehalten hat, drapiert sich der frischgebackene Selfmade-Witwer die Leiche zärtlich auf seinen Schoß und wartet auf die Polizei.
Der Dialog:
Eisner sitzt mit dem Gerichtsmediziner beim Obstler im Obduktionssaal. Zuvor haben die beiden am Korpus des ermordeten Anwalts gewurschtelt.
Kommissar: »Ein paar Tage bevor der Hafner erschossen worden ist, habe ich ganz lapidar gesagt: Solche Typen gehören aus dem Verkehr gezogen. Pfff.«
Gerichtsmediziner: »Der Tod macht einen im Nachhinein noch lange nicht zu einem moralisch wertvollen Menschen. Außerdem hast du das ja wohl anders gemeint, hoff ich.«
Kommissar guckt ratlos, hält das Glas hoch: »Was ist das?«
Gerichtsmediziner schenkt nach: »C2H5OH. Auf Zwetschgenbasis.«
Die Bewertung:
8 von 10 Punkten. Kiebiger Austro-Krimi: Hier wird mir nichts, dir nichts zwischen Sarkasmus und Sentimentalität gewechselt, so wie das nur im Wiener »Tatort« möglich ist.
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